Griechischer Abend.

Griechischer Abend.

So nennt Elissavet Patrikou, Hamburger Fotografin und Kochbuchautorin mit griechischen Wurzeln, liebevoll ihr Athen.

Für Max Herre ist es in seinem Song „Athen“ ein Sehnsuchtsort, bleibt aber mit seiner Begleitung zerstritten auf einem Rasthof in Mazedonien liegen.

Stefan Berkholz von der Berliner Tageszeitung spricht im Klappentext zu Petros Markaris’ Quer durch Athen von einem Moloch. In dem Buch beschreibt der gebürtige Istanbuler die 24 verschiedenen Athener Stadtteile, durch die die Linie 1, die sogenannte Elektrische, fährt – von Piräus nach Kifissia. Einer Restaurantempfehlung aus dem Kapitel über Petralona sind wir gefolgt.

Athen ist nicht pittoresk wie Venedig, nicht schön wie Paris oder Rom. Es hat kein Louvre und kein Prado. Athen will nicht gefallen, es ist bisweilen dreckig, brutalistisch.

Wenn man sich aber durch die Gassen treiben lässt, findet man immer eine schöne Ecke, ein tolles Café, ein Restaurant oder einen schönen Ausblick.

Über der Stadt und weithin sichtbar als guter Orientierungspunkt thront die Akropolis. Am Fuße der Akropolis liegt das Akropolis-Museum, mit vielen Steinen und Statuen, unter anderem den Karyatiden – allerdings nur fünf von sechs, denn eine ist in London zu finden. Das Museum ist auf einem antiken Grundriss gebaut, den man durch Glasböden bewundern kann. Es ist ein modernes Gebäude, und beim Rundgang hat man die gesamte Zeit freien Blick auf die Akropolis.

Das älteste Viertel, die Plaka, erinnert an eine touristisch überlaufene griechische Ferieninsel mit all ihren Souvenirshops, die versuchen, die ganze Welt mit phallischen Flaschenöffnern zu versorgen. Trotzdem es lässt sich dort gut wohnen, am Fuße der Akropolis, der Oberstadt. Von hier aus erreicht man fast alles zu Fuß, und es ist ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. Dank der Akropolis findet man auch immer wieder gut den Weg ins Hotel oder Apartment – oder wo auch immer ihr untergekommen seid.

Der März war als Reisezeit noch überraschend kühl und frisch, aber es war trocken und die ganze Zeit schien die Sonne. Zudem ist die Stadt im März noch nicht so überlaufen, und man kann es tatsächlich wagen, die Akropolis zu besichtigen.

Angekommen sind wir sonntagabends. Viele Restaurants, die mich interessierten, waren geschlossen, sodass mein Plan war, ins Wine is fine zu gehen. Ein modernes Walk-in-Bistro mit Sharing Plates und einer empfohlenen Weinauswahl. Leider wurde es zu spät, und meine Mitreisenden (Raupe und Gatte) hatten nicht die Muße, 40 Minuten auf einen Tisch zu warten. Ich bin die ganze Woche sehnsüchtig drumherum geschlichen, leider ergab sich keine weitere Gelegenheit.

Stattdessen traf die Raupe spontan die Auswahl und entschied sich für das nahe gelegene Ateno. Dort wurde uns moderne griechische Küche von einem sehr zuvorkommenden und freundlichen Service serviert. Als Vorspeise aßen wir ein Charcuterie Board mit hausgemachten Würsten und Schinken sowie selbstgebackenem Sauerteigbrot. Der Sommelier führte uns vorzüglich durch die Weinkarte mit den uns zumeist unbekannten griechischen Weine.

Nach einem reichlichen, aber kostspieligem Frühstück im Ergon House sind wir wie immer am ersten Tag in einer neun Stadt auf den Hop-on-Hop-off-Bus gesprungen – Tradition, seit wir mit Kind Städtereisen unternehmen. Man kann immer wieder einsteigen, wenn keiner laufen mag. Zudem bekommt man so einen guten Überblick. Diesmal blieb es auch bei einem Tag, da die Stadt übersichtlich ist und wir in den nächsten Tagen die Stadt einfach nach Vierteln erkundeten.

Abends hatte ich in der Manari Taverna einen Tisch reserviert, einem typisch griechischen, aber modernen Grillrestaurant. Inhaltlich folgte nur mein Mann dem Thema und bestellte gegrillte Lammkoteletts. Die Raupe hatte ein wunderbar zartes Tatar, das mit Zitronenzesten abgeschmeckt war und sehr frisch schmeckte. Ich konnte dem geschmorten Hammel auf cremigsten Orzo-Nudeln nicht widerstehen. Die Portion hätte gut und gerne für uns drei gereicht, sodass leider kein Platz mehr für die hausgemachten Desserts war. Vollgefressen fielen wir ins Bett.

Den dritten Tag verbrachten wir mit dem besten Freund der Raupe, der zufällig auch in Athen weilte,  und spazierten auf die Akropolis. Es war gut, dass die Kinder einander hatten, sonst wäre bei den vielen alten Steinen sicher gemeckert worden, und so wurde stattdessen geklettert.

Abends ging es dann nach Petralona in die Taverna Oikonomou 1930, gefunden im Smart Travelling Guide, aber auch in dem Buch von Petros Markaris. Und es war ein wirklich schöner Abend mit traditioneller Küche, zwischen den Einwohnern des Viertels. Das Viertel liegt etwas abseits der touristischen Pfade, aber man erreicht es – wenn wundert’s– gut mit der Linie 1.

Niemals würde ich einen Markt in einer Stadt auslassen. Das ist mir diesmal ein wenig auf die Füße gefallen. Angekommen am Markt, sind wir als Erstes in die Halle für die Metzger gestolpert. Schon beim Eintreten in die Halle roch es nach Blut und rohem Fleisch. Nach einigen hundert Metern durch die Halle mit Ständen voller abgezogener Schweinehälften, Lämmern und Tierköpfen samt Innereien mussten wir die Halle verlassen.

Hier ist nichts touristisch beschönigt, und für die Raupe war es einfach zu viel. In einer hektischen Übersprungshandlung sind wir zur Ablenkung spontan ans Meer gefahren und haben die Füße im Mittelmeer abgekühlt und die Sonne genossen.

Am Abend war der Schreck überwunden und der Appetit zurück und wir spazierten ins Lsandsia, ein sehr modernes Bistro. Nicht nur bei den Gerichten konzentriert man sich auf das Wesentliche, auch die Einrichtung ist eindrucksvoll schlicht. Es ist fast ein Concept Store: Neben fantastischem, wenn auch nicht günstigem Essen werden dort Kerzen und Kerzenständer hergestellt und verkauft.


Am letzten Tag hatte der Mann noch kein Gyros Pita gehabt und war dementsprechend unleidlich: Griechenland ohne Gyros Pita, ja geht denn das? Tatsächlich ja, da Souvlaki hier viel beliebter ist. 😉

Es führte dazu, dass ich, um den familiären Frieden zu wahren, unsere letzte Restaurantreservierung stornieren musste. Wir sind durch die Stadt geschlendert, haben ein wenig geshoppt, jeder nach seiner Façon: die Raupe Andenkenmagnete, ich Schuhe. Wir haben uns den Wachwechsel vorm Regierungsgebäude angeschaut und sind noch einmal auf die Lykavittos-Aussichtsplattform gefahren.

Auf dem Rückweg suchten wir endlich nach Pita-Läden, natürlich nicht ohne Recherche. Wenn wir davorstanden, gefielen sie uns oft nicht, oder sie hatten gar keinen Drehspieß. Im Endeffekt überredete ich alle, zu Souvlaki Kosta zu gehen, und auch dort: kein Gyros, auch kein Souvlaki, aber feines Bifteki mit würzig-tomatiger Sauce in einer fantastischen fluffigen Pita. Das Gyros, das der Mann sich noch organisierte, konnte in keiner Weise mithalten.

Schön war es. Efcharisto poli, Athen, du wilde Diva. Ich komme wieder und habe noch viele kulinarische Spots im Auge, und den Markt mit seinen umliegenden Restaurants schaue ich mir auch noch einmal genauer an!

Bei unserer Ankunft zu Hause erwartete uns eine Kiste Wein, die Baum Selection von Konstantin Baum, die wir alle zwei Monate bekommen. Diesmal enthielt die Kiste passenderweise einen griechischen Roséwein, den ich bei meinem griechischen Abend servierte. Geschmacklich war er nicht mein Fall. Fotogen aber war er allemal. Die Rezepte für einen griechischen Abend findet ihr unten.

Meine Athen-Empfehlungen stammen aus dem Smart Travelling Guide Athen, dem Kochbuch Athen von Elissavet PatrikouSoul of Athens- 30 Erlebnisse sowie aus dem Buch von Petros Markaris.

Yassas.

Taramosalata

100 g weißer oder rosa Tarama (ich habe nur Tobiko gefunden, der war uns zu süsslich)

200 g mehligkochende Kartoffeln

frischer Zitronensaft

Olivenöl

nach Geschmack für mehr Schärfe: 1 kleine geriebene Zwiebel

Die Kartoffeln schälen und kochen, durch eine Kartoffelpresse fein pressen.

Den Fischrogen mit dem Stabmixer glatt pürieren. Die Kartoffeln unter den Rogen heben, so dass eine glatte Masse entsteht.

Olivenöl und ein wenig Zitronensaft in sehr dünnem Strahl zugeben und dabei mixen bis eine cremige, luftige und glänzende Masse entstanden ist.

Mit Zitronensaft abschmecken und bei Bedarf mit ein wenig eiskaltem Wasser verdünnen, sollte die Masse zu fest sein.

Pita

(6-7 Stück)

195ml warmes Wasser

15g frische Hefe

325g Weizenmehl

10g Salz

2EL Olivenöl

Die Hefe in dem lauwarmen Wasser gründlich auflösen und alle restlichen Zutaten untermengen. In einer Küchenmaschine 8-10 Minuten bei geringer Geschwindigkeit kneten. Der Teig sollte sich eigenständig vom Schüsselrand lösen und nicht mehr kleben. Ggf. etwas mehr Mehl hinzugeben.

Den Teig ruhen lassen, bis er sich verdoppelt hat. Auf der eingeölten Arbeitsfläche den Teig in 6-7 gleiche Teile ca. 75 g abstechen.

Die Kanten zur Mitte falten ohne das die Luft entweicht  und rund wirken.

Die Teiglinge mit der Hand dünn auseinanderziehen und mit etwas Olivenöl in einer heißen Pfanne braten. Herausnehmen uns über einander lagern, dann bleiben sie weich.

Tsatsiki

500g griechischer Joghurt

1 Gurke

3 Knoblauchzehen

Olivenöl

1 Bio-Zitrone

Salz

Pfeffer

ggf. Dill nach Belieben

Die Gurke reiben und mit einer Prise Salz vermischen, in einem Sieb abtropfen lassen. Den Knoblauch schälen und pressen.

Die Gurke auspressen und alles mit dem Joghurt vermischen, Mit Olivenöl, Zitrinensaft, Salz, Pfeffer und nach Belieben Dill abschmecken.

Dolmadakia, nach Kitchen Impossibel

(ca. 20 gefüllte Weinblätter)

Weinblätter in Salzlake

Füllung

2 EL Olivenöl

150 g weiße Zwiebeln

300 g Hackfleisch vom Schwein

70 g Rundkorn Reis (z.B. Milchreis)

200 g Tomaten

1 Bund Petersilie

3 TL getrocknete Minze

2 TL Salz

 

1 Zitrone

200 ml Wasser

Die Weinblätter in eine Schüssel mit Wasser legen. Dadurch lassen sie sich leichter voneinander lösen. Die harten Stängel von den Blättern noch abschneiden.

Die Zwiebeln in feine Würfel schneiden und  in einer Pfanne im Olivenöl andünsten. Das Hackfleisch hinzugeben und durchgegaren, aber es sollte nicht braun gebraten werden.

Die Tomaten würfeln und zum Hackfleisch geben. Für ein paar Minuten mitgaren. Die Petersilie abwaschen, abzupfen und feinhacken.

Die Minze und Petersilie in die Pfanne geben, mit Salz würzen und den Reis unterrühren.

Die Pfanne vom Herd nehmen und kurz abkühlen lassen.

Die Weinblätter mit jeweils ca. 2 TL Füllung füllen und einrollen. Die fertig gerollten Weinblätter dicht an dicht in einen passenden Topf legen.

Den Saft der Zitrone auspressen und zusammen mit 200 ml Wasser über die Weinblätter gießen. Im zugedeckten Topf für 45 Minuten köcheln. Die Flüssigkeit ist nach der Garzeit komplett aufgesogen.

Die gefüllten Weinblätter können warm oder kalt gegessen werden.

Lammkotelettes

2-3 Lammkotelettes pro Person, je nach Menge der anderen Beilagen.

1 Zitrone

Die Kotelettes salzen und in einer Pfanne mit Olivenöl scharf anbraten, so dass sie innen noch leicht rosa sind.

Chorta

(für 4 Personen)

1kg Löwenzahn, Mangold, Cima di rapa, Spinat udn Brennessel, je nachdem was der Gemüsehändler Eures Vertrauens zur Verfügung hat.

Gemüse putzen, die harten Stängel entfernen und etwa 5-10 Minuten blachieren. Mit Olivenöl, Zitroinensaft und Salz abschmecken.

Griechischer Salat

(für 4 Personen)

1 Gurke

4- 5 geschmackvolle Tomaten

1 kleine rote Zwiebel

100g trockener griechischer Schafskäse

1 Handvoll schwarze entkernte Oliven, z.B. Kalamata-Oliven

5 EL Olivenöl

2 EL Rotweinessig

Salz

frisch gemahlener Pfeffer

Die Gurke schälen und würfeln. Die Tomaten waschen und würfeln. Die Zwiebel in Streifen schneiden. Alles vermische. Mit Olivenöl und Rotweinessig beträufeln, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Schafskäse über den Salatbröseln udn die Oliven hinzufügen.

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