Belegtes Brötchen mit Kren und Schnittlauchbrot

Belegtes Brötchen mit Kren und Schnittlauchbrot

Mit 15 Jahren habe ich mich verliebt. In Wien, in Ethan Hawke und in Juli Delpy. Ich habe Before Sunrise im Kino geschaut und bin beseelt auf Wolke sieben wieder hinausgewandelt. Eine Nacht, in der die beiden durch Wien spazieren und sich verlieben. Die Anspannung in der Szene im Plattenladen… all das wollte ich auch. So muss man sich verlieben. Auch die Nachfolger habe ich verschlungen, und ich liebe die Trilogie sehr, auch wenn der weitere Verlauf nicht nur durch die rosarote Brille beleuchtet wird… Oder vielleicht weil…

Nach Wien habe ich es aber tatsächlich zum ersten Mal dieses Jahr geschafft. Mehr als 30 Jahre später. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Und auch die Stadt hat mich auf Wolke sieben befördert.

Es war einfach wunderbar, vielseitig, schön und voller Kultur und lecker. Trotz drei voller Tage, was ich für eine Städtereise mit Kind echt viel finde, haben wir noch längst nicht alles entdeckt und eigentlich ist die To-Do-Liste für Wien nur länger geworden.

Unser Hotel, das The Hoxton Hotel Wien, würde ich allerdings immer nehmen. Der Stil von Zimmer und Lobby gefiel mir sehr gut, der Service war zuvorkommend und nett, die Lage hat es uns ermöglicht, die Innenstadt zu Fuß zu erkunden und, es hat eine Dachterrasse mit einem fantastischen Ausblick, auch wenn weder Zeit noch Wetter es zugelassen haben, dort einen Drink zu nehmen.

Kulinarisch habe ich mich belesen, und Anna Burghardt gefragt. Anna Burghardt ist eine meines Lieblings-Food-Journalistinnen und Wienerin. So konnte ich die schier unendliche Auswahl guter Restaurants ein etwas einschränken und mich auch der Kindertauglichkeit rückversichern. Die Raupe ist zwar durchaus kulinarisch interessiert und einiges gewohnt, aber man sollte eine Neunjährige auch nicht überfordern, damit sie nicht die Lust am Essen gehen und Ausprobieren verliert.

Wir hatten einen SEHR frühen Flug und so haben wir vor einem Mittagsschlaf erstmal die nächste Hotelumgebung erkundet und einen Würstelstand für ein Bozna aufgesucht. Ein Bozna ist einem Hot Dog sehr ähnlich, aber wesentlich würziger – sowohl die Wurst als auch die Saucen. Die Würstelstände haben es mir sowieso sehr angetan, selten habe ich in vier Tagen so viele Würstchen gegessen wie in Wien. Von Käsekrainer – umgangssprachlich auch als „Eitrige“ bezeichnet – Krainer, als Hot Dog oder Bozna, habe ich mich durch das gesamte Sortiment gegessen.

Trotzdem war noch Platz für eines unserer besten Essen in Wien im Gasthaus zu den 3 Hacken. Gesättigt durch die Würstchen haben wir uns je zwei Vorspeisen und Hauptspeisen zu dritt geteilt, zu meinem Leidwesen wollte dann keiner mehr Nachtisch mit mir teilen. Als Vorspeise gab es Markknochen mit getoastetem Bio Schwarzbrot vom „Öfferl“& Knoblauch-Kräuteröl. Es war einer der besten Markknochen, den wir je gegessen haben, wozu der Kellner nur sagte “Ich weiß, unsere sind die Besten” – mit gesundem Selbstbewusstsein, ganz ohne Arroganz vorgetragen.

Am Folgetag haben wir – nach einem Frühstück im Zum Schwarzen Kameel – mit dem österreichischen Teil der Familie den Wiener Wald unsicher gemacht, Zutaten für das Picknick haben wir aus dem Shop des Zum Schwarzen Kameel mitgenommen. Es gab Spielplätze für die Kinder, Rehe im Unterholz und einen kleinen Fuchs, der sich wie wild vor einem ausgebüchsten Spitz flüchtete.

Das Montagsprogramm war bestimmt durch den geplanten Besuch der Wiener Oper am Abend, wo wir die Kameliendame als Ballett sahen. Für die Pause hatte der Mann eine Etagere von Gerstner K. u. K. Hofzuckerbäcker bestellt. Wir hatten fest damit gerechnet mit drei Akten die Geduld der Raupe zu überspannen – trotz Etagere –, die aber war so fasziniert wie Julia Roberts in Pretty Woman von ihrer ersten Oper, da wir eh schon bei Filmvergleichen sind.

Vor der Oper sind wir im Café Central eingekehrt. Der Service war – wie übrigens überall –sehr freundlich und zuvorkommend. Das Essen bodenständig und gut. Leider ist das Café touristisch sehr überlaufen und nicht alle geben Mühe sich anständig zu kleiden oder Tischmanieren an den Tag zu legen. Nach dem Besuch habe ich verstanden, warum der eine oder andere Wiener Kellner keine Lust auf Touristen hat und diesen entsprechend abschätzig begegnet.

Einen Besuch in der Galerie Belvedere buchten wir am nächsten Tag spontan, wir haben uns auf das obere Belvedere mit den Bildern von Klimt konzentriert, die mir im Teenageralter sehr gefielen und die Originale zu sehen war besonders und fotografisch gar nicht angemessen festzuhalten, was vielleicht an der Menge der Besucher vor dem Bild gelegen haben mag.

Danach hat der Mann zu Sacher Torte im Café Demel geladen. Ich konnte aber nicht widerstehen und musste einen Kaiserschmarrn bestellen, dessen Duft sich durch das gesamte Café zog, bedingt durch die auf allen Etagen befindlichen einsehbare Kochstationen.

Anschließend ging es weiter zur Fahrt mit dem Fiaker durch Wien. Die Wiener Hofreitschule, vor der die Fahrten starten, findet sich gleich um’s Eck des Café Demel und Groß und klein können die Beine einfach mal hochlegen und sich kutschieren lassen.

Am Abend besuchten wir die Meierei des Steierecks, die sich im Park neben dem Hotel fand. Am Abend gibt Menüs aber auch Klassiker als Einzelgerichte zu bestellen, man kann aber auch zum Frühstück oder zum Mittagstisch einkehren. Ich konnte nicht widerstehen und habe ein 4-Gang-Menü gegessen und war von den saisonalen und feinen Gerichten sehr angetan. Die Raupe aß ihre Leibgerichte: Rindertartar und zum Nachtisch Marmorkuchen, erstaunlicherweise fand sich noch genau eins in der Vitrine. Zudem gab es für Kinder eine kleine Bücherauswahl.

Vor dem Rückflug ging es ins Café Bellaria, in dem ich wunderbare Szenen ausgewählter Höflichkeit zwischen Kellnern und Gästen beobachten konnte. Das Frühstück war fantastisch und wie in vielen Wiener Cafés stand unter anderem eine einfache Scheibe gutes Brot mit Schnittlauch auf der Karte, was ich unglaublich charmant und bodenständig finde und zumindest in Norddeutschland bisher nur selten auf Menükarten gefunden habe.

Das Café ist perfekt gelegen, um die großen Museen zu besuchen und so es nach dem Frühstück im Rekordtempo durch das Naturhistorisches Museum, um sich danach im Haus der Musik mit der Familie zu treffen. Ein großartiges kleines Museum, perfekt für Kinder und Erwachsene Musik interaktiv zu Erleben.

Der Prater durfte natürlich auch nicht fehlen. Ich fand ihn eher enttäuschend. Der Mann musste arbeiten und so wir haben einen Mutter-Tochter Ausflug gemacht. Das Gelände war an einem Dienstagnachmittag wie ausgestorben, dafür konnten wir ohne große Warterei mit dem historischen Riesenrad fahren. Gehört wahrscheinblich auf die Wienliste. Ich hätte es nicht gebraucht, aber vielleicht gedacht, dass ich etwas verpasst habe.

Wow, wie lang waren diese Tage? Was wir alles erlebt haben und doch so viel verpasst bzw. noch nicht gesehen. Beim nächsten Wien Trip auf der Liste: Reznicek, Mraz+Sohn, Schloss Schönbrunn, Kunsthistorisches Museum u.v.m.

Was ich kulinarisch mitgenommen habe: Seit Wien liegt immer ein Stück frischer Kren/ Meerrettich im Kühlschrank, damit wird jede belegte Semmel interessanter und Schnittlauchbrot gehört viel öfter auf den Tisch.

Halbes belegtes Brötchen

halbes Brötchen

Portion Butter

2 dünne Scheiben Schweinebauchbraten

1-2 Cronichons

Stück frischer Kren/ Meerrettich

Brötchen mit Butter schmieren und mit 2 dünnen Scheiben Schweinbauchbraten belegen, 1-2 Cornichons in Scheiben schneiden und auf dne Braten legen. frischen Meerreitich drüber reiben.

Schnittlauchbrot

1 Scheibe gutes Brot

1 Portion Butter

1/4 Bund Schnittlauch

Brot mit Butter schmieren und mit fein gehacktem Schnittlauch großzügig belegen.

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